Mein Blog.
Der Verstand ist dein Werkzeug – nicht dein Kompass
(vom 10.10.2026)
Vor kurzem bin ich auf ein Zitat des schottischen Philosophen David Hume gestoßen, das mich als Trainer, Coach und Privatperson nachhaltig beschäftigt hat. Er beschreibt die Vernunft als „Dienerin unserer Affekte“ – unser Verstand folgt also dem, was unsere Gefühle vorgeben. Nicht umgekehrt. Dieser Gedanke trifft uns in all unseren privaten wie auch beruflichen Rollen.
Hume möchte uns daran erinnern, dass unser Verstand nicht der Ursprung unserer Entscheidungen ist. Vielmehr sind es unsere Affekte, unsere inneren Regungen, also das, was uns wirklich bewegt, die unsere Richtung vorgeben. Der Verstand hilft uns nur dabei, den Weg dorthin zu finden. Wenn wir aber nicht wissen, was uns wichtig ist, kann er zwar analysieren und planen, aber er arbeitet ohne klare Orientierung. Erst wenn wir unseren persönlichen Kompass ausgerichtet haben, kann unser Denken seine volle Kraft entfalten.
Ich selbst finde diese Klarheit in der Natur. Im Rückzug. In der Stille. Oft genau in den Momenten, in denen ich – wie neulich auf La Gomera – einen Berg hinauflaufe und die Welt unter mir langsam kleiner wird. Dort wird es still genug, dass meine eigenen Gefühle hörbar werden. Und genau dort habe ich Raum für Reflexion – genau dort entsteht mein innerer Kompass.
Vielleicht liegt genau darin die Einladung von Hume: zuerst uns selbst spüren – und dann erst denken.
Die stoische Pause
(vom 30.04.2026)
Manchmal hilft es dorthin vorzudringen, wo Wahrnehmung, Bewertung und Reaktion ineinanderfließen – in den Raum, in dem unser innerer Autopilot arbeitet. Dieser Autopilot ist oft hilfreich, manchmal hinderlich, aber vor allem eines: unbewusst. Und genau das macht ihn so mächtig.
Deshalb ist es ein zentrales Thema in meinen Seminaren, wie wir diesen Autopiloten bewusst an‑ und ausschalten können. Wie wir lernen, unsere Impulse zu beobachten, statt ihnen ausgeliefert zu sein. Wie wir uns von Wahrnehmungs‑ und Bewertungsfallen lösen können, indem wir uns selbst einen Moment schenken, bevor wir handeln.
Dafür kann man eine einfache, aber erstaunlich wirksame Methode aus der Stoischen Philosophie nutzen: die stoische Pause. Sie beginnt in dem Augenblick, in dem ein Reiz auf uns trifft – und sie endet erst, wenn wir bereit sind, bewusst zu reagieren. Diese Pause kann drei Sekunden dauern. Oder drei Stunden. Oder drei Tage. Sie ist kein Stillstand, sondern ein innerer Freiraum, in dem wir entscheiden, wer wir in diesem Moment sein wollen. Genau dort setzt die stoische Pause an. Sie zwingt uns nicht zur Gelassenheit, aber sie gibt uns die Möglichkeit dazu. Sie macht aus Reiz und Reaktion wieder zwei getrennte Schritte – und damit aus Automatismus wieder Persönlichkeit.
